Die fünf größten Energieunternehmen in Deutschland
Einleitung: Wie die fünf größten Energieunternehmen entstanden
Als 1998 die rot-grüne Bundesregierung an die Macht kam, verordnete sie Deutschland einen Liberalisierungsschub. Dieser beschränkte sich längst nicht nur auf den Energiemarkt, sondern umfasste auch die Telekommunikation und die Post. Während sich die letzten beiden Felder wie gewünscht entwickelten, fand auf dem Energiemarkt eine Zentralisierung auf nur wenige Energieunternehmen statt. Diese Entwicklung war wesentlich dem damaligen Netzaufbau und der Versorgungsinfrastruktur geschuldet. Schon zu diesem Zeitpunkt erkämpften sich die Firmen, die bis heute die fünf größten deutschen Energieunternehmen sind, eine faktisch marktbeherrschende Stellung in der Bundesrepublik: E.ON, RWE, Thüga, EnBW und Vattenfall.
E.ON
E.ON ist nicht nur das größte deutsche Energieunternehmen, sondern der drittgrößte Konzern der Bundesrepublik überhaupt. Gegründet wurde die Firma im Juni 2000 als Resultat einer Fusion der Energiekonzerne VEBA und VIAG. Das neue Unternehmen nahm seinen Hauptsitz in Düsseldorf. Nur ein Jahr nach seiner Gründung schluckte E.ON gegen einige Widerstände die Essener Ruhrgas AG und entwickelte sich somit zu einem Unternehmen, dass nicht nur Strom, sondern auch Gas liefern kann. Die Strategie, durch Übernahmen zu wachsen, blieb für den Konzern bezeichnend, auch wenn dies nicht immer gelang, wie das gescheiterte Projekt der ENDESA (spanischer Energieversorger) aus dem Jahr 2006 zeigt. Seit 2010 verfolgt der Konzern eine neue Strategie: E.ON will über die deutschen Grenzen hinauswachsen und „sauberer“ werden. Dies bedeutet, der Konzern möchte die Reduktion der CO2-Emissionen deutlich vorantreiben. Aktuell beschäftigt E.ON fast 100.000 Menschen, die einen Umsatz von fast 93 Milliarden Euro erwirtschaften.
RWE
RWE ist eines der wenigen deutschen Energieunternehmen mit langer Tradition. Gegründet wurden die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke mit Unternehmenssitz in Essen bereits 1898. Nach der Energiewende fusionierte der Stromlieferant im Jahr 2000 mit seinem langjährigen Gegenspieler VEW und versuchte anschließend, ebenfalls durch Übernahmen zu wachsen. RWE wurde so auch zum Gaslieferanten. Heute zählt der Konzern 70.000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von rund 53 Milliarden Euro.
Thüga Gruppe
Die Thüringer GAS AG ist selten in den Schlagzeilen. Die meisten Menschen wissen nicht, dass der Konzern mit Hauptsitz in München, der bereits 1867 gegründet wurde, zu den größten deutschen Energieunternehmen gehört. Dies liegt an der nur schwer zu durchschauenden Unternehmensstruktur der Thüga Gruppe, die in Teilen unter dem Dach von E.ON organisiert ist. Thüga ist das Herzstück des größten deutschen Netzwerks lokaler und regionaler Energievesorger. Vereinfacht gesagt: Wenn eine Firma seinen kommunalen Endkunden mit Strom oder Gas versorgen möchte, dann nutzt er die Thüga Infrastruktur. Die in der Gruppe zusammengefassten Firmen erwirtschaften einen Umsatz von fast 20 Milliarden Euro und beliefern 5,7 Millionen Menschen mit Strom und Gas.
EnBW
EnBW hat seinen Unternehmenssitz in Karlsruhe und wurde 1997 gegründet. In der Energie Baden-Württemberg AG fanden sich die vier vormaligen Staatskonzerne des Bundeslandes zusammen. EnBW verfolgt mittlerweile eine vergleichbare Unternehmensphilosophie wie E.ON, versucht jedoch zusätzlich, durch gezielte Übernahmen aus dem südwestdeutschen Raum auszubrechen und auch im deutschen Norden und Westen Fuß zu fassen. Der Strom- und Gasversorger beschäftigt 20.500 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 17,5 Milliarden Euro.
Vattenfall
Vattenfall sitzt in Berlin. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2002 als Resultat der Fusion von den Hamburgischen Elektrizitätswerken und der Vereinigten Energiewerke AG sowie der Braunkohle AG aus der Lausitz. Vattenfall kontrolliert den Norden, ist jedoch ein „schmutziges“ Unternehmen, das wesentlich auf Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke setzt. Der Konzern beschäftigt 21.000 Mitarbeiter, die 14,4 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften.