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Fukushima: Stromanbieter befürchtet unkontrollierte Kernspaltung02.11.2011, 13:50 Uhr
Erneut gibt es Anlass zur Sorge im zerstörten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi. Der Betreiber der Anlage, der Stromanbieter Tepco, gab bekannt, dass es Hinweise auf ein ernstes Problem gebe. Demnach bestehe die Möglichkeit, dass der Prozess einer unkontrollierten Kernspaltung eingesetzt habe. Betroffen sei der Reaktor Nummer Zwei der Atomanlage, die nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März so stark beschädigt wurde, dass es in mehreren Reaktoren zu einer Kernschmelze gekommen war. Dabei waren große Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden. Inzwischen wird über den beschädigten Reaktoren eine Schutzhülle errichtet, die einen weiteren Austritt an radioaktiver Strahlung zumindest begrenzen soll. Außerdem soll auf diese Weise der Eintritt von Regenwasser verhindert werden.
Stromanbieter hat Xenon-Gas nachgewiesen
Bezüglich des neuen Problems am Reaktor 2 teilte der Stromanbieter mit, dass möglicherweise eine Kernspaltung eingesetzt habe. Es habe allerdings keinerlei Änderungen bei den wichtigen Werten wie Druck, Temperatur und Radioaktivität gegeben, betonte der Betreiber. Kernspaltungen finden in Atomkraftwerken normalerweise unter kontrollierten Bedingungen statt. Der Nachweis der Gase Xenon 133 und Xenon 135, welche als Nebenprodukte einer atomaren Kernspaltung anfallen, lasse darauf schließen, dass eine unkontrollierte Reaktion eingesetzt habe, so Tepco weiter. Als Gegenmaßnahme habe man damit begonnen, Borsäure in den Reaktor 2 von Fukushima einzuleiten.
Borsäure soll Kettenreaktion verhindern
Aufgrund der Anzeichen für eine unkontrollierte Kernspaltung sei vorsorglich über eine Kühlwasserleitung Borsäure in den Reaktor eingebracht worden, teilte der Stromanbieter mit. Auf diese Weise soll eine mögliche Kettenreaktion in dem beschädigten Reaktor verhindert werden. Die japanische Atomsicherheitsbehörde geht unterdessen nicht von einem größeren Problem aus. Man werde die Ursache des Vorfalls allerdings untersuchen. Nach dem Atomunglück von Tschernobyl ist die Katastrophe von Fukushima der bisher schwerste nukleare Unfall der Geschichte. Bislang mussten Zehntausende Menschen die Region um das Atomkraftwerk verlassen. Ob je eine Rückkehr möglich sein wird, ist nach wie vor ungewiss.