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Expertin Kemfert hält Gaspreise der Ostseepipeline für zu hoch04.11.2011, 14:16 Uhr
Die renommierte Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist von der neuen Ostseepipeline Nord Stream für Gaslieferungen aus Russland nicht uneingeschränkt begeistert. Sie hält die Gaspreise, die der Betreiber Gazprom für seine Lieferungen verlangt, für zu hoch. Grund dafür sei das Festhalten der Russen an einer Kopplung von Ölpreis und Gaspreis, sagte Frau Kemfert gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Sie warnte davor, dass Nord Stream nur dann erfolgreich sein könne, wenn auch Gazprom sich an der internationalen Entwicklung des Gasmarktes orientiere.
Ölpreis verteuert Gaspreise unnötigerweise
Die Kopplung der Gaspreise an den Ölpreis ist aus mehreren Gründen ärgerlich. Besonders deutlich wird der Zusammenhang immer dann, wenn die Ölpreise stark ansteigen oder auf hohem Niveau verharren, wie es derzeit der Fall ist. Für diese Kopplung gibt es aber eigentlich keine nachvollziehbaren technischen oder ökonomischen Gründe, weswegen viele Gaslieferanten in Europa inzwischen von dieser Berechnung abgekommen sind. Das Resultat sind sinkende Gaspreise für diejenigen Energieanbieter, die nicht über langjährige Lieferverträge an den Ölpreis gebunden sind. Der Gasanbieter E.ON streitet derzeit wegen dieser Bindung mit dem russischen Gazprom-Konzern, weil der deutsche Energiekonzern entweder die Preise gegen den Trend erhöhen kann und somit Kunden verlieren würde, oder aber mit Verlusten sein Erdgas an die Endkunden weiterverkauft. Gazprom sieht aber bislang keinen Grund, sich von dieser Preispolitik zu verabschieden.
Ostseepipeline ist dennoch kein Fehlschlag
Claudia Kemfert sieht ein Problem bei der Pipeline auch darin, dass Gazprom nicht nur der Hauptlieferant ist, sondern auch gleichzeitig einer der wichtigsten Miteigentümer. Mit einem echten Wettbewerb an der Ostseepipeline sei somit kaum zu rechnen. Sie wies darauf hin, dass der Gasmarkt insgesamt in den letzten Jahren stark nachgegeben habe und die Gaspreise auch aufgrund eines Überangebots mittlerweile allgemein gesunken seien. Allerdings sieht die Expertin auch positive Aspekte von Nord Stream, die das Projekt nicht zu einer Fehlinvestition machen würden. So sei die Ostseepipeline ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der deutschen Energiesicherheit. Durch die direkte Verbindung zwischen Deutschland und Russland könnten sich Probleme mit Transitländern wie der Ukraine künftig weniger stark auf unsere Gasversorgung auswirken. Zudem habe sich Russland als zuverlässiger Gaslieferant erwiesen, so Kemfert weiter. Um den steigenden Bedarf Deutschlands künftig abzusichern, sei aber mehr als eine Pipeline notwendig. Zudem solle man in Deutschland weniger Kohlekraftwerke bauen, sondern auch bei der Stromerzeugung auf Gaskraftwerke setzen. Hier fehlten aber noch wichtige Investitionsanreize, sagte die Expertin.