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Ostsee-Pipeline Nord-Stream nimmt offiziell Betrieb auf08.11.2011, 13:12 Uhr
Endlich ist es soweit. Nach rund sechs Jahren Bauzeit und letzten technischen Vorbereitungen in den vergangenen Wochen weihen Bundeskanzlerin Merkel und der russische Staatspräsident Medwedew heute offiziell die neue Ostsee-Pipeline für Erdgas ein. In einem symbolischen Akt drehen beide Politiker in Lubmin den Gashahn für den ersten Leitungsstrang der Gaspipeline auf. Das auf den Namen Nord-Stream getaufte Projekt des deutsch-russischen Konsortiums hat etwa 7,4 Milliarden Euro gekostet und soll künftig Deutschland und Westeuropa direkt mit den russischen Gasproduzenten verbinden.
Gaspreise werden durch Nord-Stream nicht sinken
Bislang mussten Gaslieferungen über die landgestützten Pipelines laufen, die durch verschiedene Transitländer wie Weißrussland, Polen und die Ukraine geführt wurden. Dies war in den letzten Jahren nicht ohne Probleme geblieben, weil es wiederholt zu Streit zwischen Russland und den Transitländern über Gaspreise und Durchleitungsgebühren geführt hatte. Ein Zweck der neuen Ostsee-Pipeline ist es daher, die Energiesicherheit für Deutschland und Westeuropa durch die direkte Verbindung zu einem der größten Erdgasfelder der Welt zu verbessern. Rein rechnerisch kann Nord Stream bis zu 26 Millionen Haushalte mit Gas versorgen. Günstigere Gaspreise werden für deutsche Gaskunden allerdings wohl nicht herauskommen. Der Hauptlieferant Gazprom hält an der Kopplung zwischen Ölpreis und Gaspreis fest. In der Folge sind Gasanbieter wie der deutsche E.ON-Konzern wegen langfristiger Lieferverträge über Jahre hinweg an diese ungünstigen Tarife gebunden.
Schröder: Gegenseitige Abhängigkeit bei Gaslieferungen
Die Politiker halten das Projekt aber dennoch für einen Erfolg, vor allem hinsichtlich der Energiesicherheit. Außerdem erwartet man den Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland, welche die Stromanbieter zum Ausgleich des Atomausstiegs errichten sollen. Eine direkte Pipeline nach Russland soll auch die Entscheidungen hierfür begünstigen. Der russische Präsident Medwedew lobte Nord-Stream als „wichtigen Schritt zur Festigung der Beziehungen zu Deutschland und der EU“ und betonte die „strategische Partnerschaft“ zwischen Russland und Deutschland. Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der inzwischen Vorsitzender des Aktionärsausschusses von Nord-Stream ist, sieht keinen Grund, Russland bei der Zuverlässigkeit der Gaslieferungen zu misstrauen. Zwar sei Deutschland auf das Gas angewiesen, doch Russland sei ebenso auf den Verkauf angewiesen. Die Abhängigkeit sei also nicht einseitig, sondern gegenseitig, so Schröder.