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Wieder Proteste gegen Castor – diesmal auch in Frankreich23.11.2011, 13:20 Uhr
Einige Stunden vor der Abfahrt des neuesten Castor-Transports von Frankreich nach Gorleben ist es zu einigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der französischen Polizei gekommen. Dabei seien fünf Atomkraftgegner festgenommen worden, so die örtlichen Behörden. Zuvor hatten mehrere hundert Demonstranten den Versuch unternommen, in der Nähe des Verladebahnhofs Valognes die Gleise der Eisenbahn zu besetzen. Am Nachmittag soll der Zug mit den Castor-Behältern Valognes verlassen. Rund 1.200 Kilometer muss der Zug zurücklegen, bevor er am Wochenende im niedersächsischen Gorleben ankommen wird.
Polizei: Castor schottern gefährdet Sicherheit des Atommüll-Transports
Etwa 20.000 Polizisten sollen den Castor dieses Mal entlang der Strecke sichern. Dabei haben die Behörden ganz besonders die Atomkraftgegner der Bewegung „Castor schottern“ im Auge. Bereits im vergangenen Jahr hatte diese Gruppe dazu aufgerufen, das Gleisbett unter der Eisenbahnstrecke an verschiedenen Punkten durch das Entfernen von Steinen zu unterhöhlen und damit eine Weiterfahrt des Castor-Zuges zu behindern oder nach Möglichkeit sogar zu verhindern. Die Polizei hat angekündigt, gegen diese Art der Sachbeschädigung besonders konsequent vorzugehen, weil von ihr auch eine erhebliche Gefährdung des Eisenbahnverkehrs ausgeht. Auch innerhalb des Lagers der Atomkraftgegner ist das sogenannte „Castor schottern“ höchst umstritten. Das Argument der Gegner dieser Variante des Protestes ist dabei nachvollziehbar. Man könne nicht gegen die – aus Sicht der Atomkraftgegner – mangelhafte Sicherheit von Castor demonstrieren und gleichzeitig die Sicherheit des Transports durch das Unterhöhlen der Gleise gefährden.
Atommüll muss entsorgt werden – aber wo?
Doch auch bei Teilen der Polizei gilt der Castor inzwischen nicht mehr als unbedenklich. So hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Rheinland-Pfalz gefordert, den aktuellen Transport von Atommüll abzusagen oder wenigstens umzuleiten. Sie begründet die Forderung mit widersprüchlichen Angaben über die radioaktive Belastung, die durch die Castor-Behälter ausgeht. Die an der Strecke eingesetzten Polizisten wüssten daher nicht, welcher Strahlenbelastung sie ausgesetzt seien. Die Castor-Transporte in das Atommüll-Lager in Gorleben sind seit jeher stark umstritten. Angesichts des Atomausstiegs wird die Entsorgungsfrage aber immer dringender. Atomkraftgegner bezweifeln die technische Eignung von Gorleben als Endlager. Ihrer Ansicht nach war die Entscheidung für Gorleben seinerzeit rein politischer Art und nicht durch technische Tatsachen begründet. Vor rund zwei Wochen hatte der zuständige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) angekündigt, die Endlagersuche komplett neu zu starten.