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Neuer Laufzeit-Streit um Atomkraftwerk Biblis24.11.2011, 20:07 Uhr
Das Atomkraftwerk im hessischen Biblis ist im Rahmen des Atomausstiegs nach dem Atomunglück von Fukushima vom Netz genommen worden und wird wohl auch nie wieder in Betrieb gehen. Unklar ist bislang noch, wann und in welcher Form der Rückbau – also im Prinzip ein Abriss – der beiden Reaktoren beginnen wird. Eine Entscheidung des Darmstädter Regierungspräsidiums erlaubt nun den Weiterbetrieb des dortigen Zwischenlagers für Atommüll bis zum Jahr 2046 – quasi eine Laufzeitverlängerung für radioaktive Abfälle in Biblis. Bis dahin könnte der Stromanbieter und Betreiber RWE nun theoretisch das Abfall-Lager weiter betreiben. Damit hob das Regierungspräsidium eine Befristung der Genehmigung für das Zwischenlager durch den Landkreis Bergstraße auf.
Stromanbieter begrüßt Entscheidung
Während der Stromanbieter und das hessische Umweltministerium die Entscheidung aus Darmstadt begrüßen und als richtig bewerteten, kritisierten SPD und Grüne im Landtag die Entscheidung. Sie befürchten, dass die noch freien Kapazitäten in Biblis nun mit Atommüll aus anderen Atomkraftwerken aufgefüllt werden könnten. Dies dürfe nicht passieren, denn der Müll müsse dort bleiben, wo er entstanden sei. Alle Atomkraftwerke in Deutschland müssen über Zwischenlager verfügen, um abgebrannte Kernbrennstäbe aufbewahren zu können. Später werden sie dann in der Regel mit Castor-Transporten in Wiederaufbereitungsanlagen oder zur weiteren Lagerung nach Gorleben abtransportiert. Besonders die ungeklärte Situation bezüglich eines Endlagers macht diese örtlichen Zwischenlager an den Kraftwerksstandorten besonders wichtig. Die Betriebsgenehmigungen für die Zwischenlager werden in der Regel auf 40 Jahre erteilt, worauf sich auch die Entscheidung des Regierungspräsidiums Darmstadt gründet.
Kritik an „Laufzeitverlängerung“ für Atommüll-Zwischenlager
Kommunalpolitiker aus Biblis und Umgebung zeigten sich verstört über diese Entscheidung. Die Anwohner hätten mit dem Kraftwerk und dessen Stilllegung inklusive des Verlustes von Arbeitsplätzen schon genug Bürden zu tragen und sollten jetzt nicht noch zusätzlicher Gefährdung durch die langjährige Zwischenlagerung von Atommüll ausgesetzt werden, hieß es. Außerdem mute es seltsam an, dass man das Zwischenlager bis 2046 genehmige, während das Atomkraftwerk unter anderem auch aus Sicherheitserwägungen bezüglich möglicher Flugzeugabstürze quasi zwangsweise geschlossen werden musste. Die Grünen forderten indes den schnellstmöglichen Abriss und den Rückbau des AKW Biblis.