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Atomkraftwerk Fukushima angeblich unter Kontrolle – Experten zweifeln

Atomkraftwerk Fukushima angeblich unter Kontrolle – Experten zweifeln19.12.2011, 15:52 Uhr

  Ende vergangener Woche erklärte die japanische Regierung stolz, dass es rund neun Monate nach der mehrfachen Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima dem Stromanbieter Tepco gelungen sei, eine sogenannte Kaltabschaltung vorzunehmen. Dieses Ziel hatte sich die Regierung bis Jahresende gesetzt. Den Angaben zufolge liege die Temperatur in den havarierten Reaktoren nunmehr unter 100° Celsius, weswegen das eingebrachte Kühlwasser nicht mehr verdampfe. Damit, so die Regierung in Tokio, sei das Atomkraftwerk wieder „unter Kontrolle“. Diese Darstellung wird allerdings nicht von allen Beobachtern geteilt. Nicht nur Umweltschützer, sondern auch zahlreiche Energieexperten finden verschiedene Bezeichnungen für das Vorgehen der japanischen Regierung. Von einer „Beschönigung“ bis hin zur „bewussten Irreführung“ war alles zu hören.
 

Stromanbieter spricht von Kaltabschaltung

Experten der Nukleartechnik hierzulande halten die Bezeichnung der „Kaltabschaltung“ an sich schon für fragwürdig, da dieser Begriff eigentlich nur bei einer funktionierenden Atomanlage angewendet werde. Bei den zerstörten Reaktoren von Fukushima könne davon kaum die Rede sein. Umweltschützer weisen darauf hin, dass die Brennstäbe im Atomkraftwerk sich nicht mehr wie in einem unbeschädigten Reaktor in Reih und Glied ins bestehende System einordnen, sondern eher als zusammengeschmolzene Masse am Boden des AKW liegen und nach wie vor nicht zu kontrollieren seien. Die Definition der Kaltabschaltung, die der Stromanbieter Tepco geliefert habe, lasse sich kaum anwenden, so die Kritiker. Die geschmolzenen Brennstäbe hätten vermutlich noch immer eine Temperatur von rund 3000° Celsius.
 

Situation in Fukushima unverändert ernst

Am 11. März hatte ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 9,0 die japanischen Inseln erschüttert. Die darauf folgende Flutwelle eines Tsunami richtete große Zerstörungen in den Küstengebieten weiter Teile des Landes an und forderte mehrere Tausend Tote. Im Atomkraftwerk von Fukushima, das direkt am Meer liegt, verursachte die Flutwelle einen Ausfall der internen Stromversorgung, wodurch die Kühlung der Reaktoren ausfiel. In der Folge kam es in drei Reaktoren zu einer Kernschmelze und Explosionen durch zu hohen Druck innerhalb der Gebäude. Dabei wurden große Mengen Radioaktivität frei und weite Teile der Umgebung des Atomkraftwerks wurden verseucht. Mittlerweile hat die Regierung damit begonnen, Gebäude und Liegenschaften innerhalb der Sperrzone zu dekontaminieren.



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