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Stadtwerke fordern große Stromanbieter heraus22.12.2011, 10:09 Uhr
Einen konzertierten Angriff auf die vier großen Stromanbieter E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall planen die rund 900 deutschen Stadtwerke. Wie der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte, entfallen rund zehn Prozent der Stromerzeugung in Deutschland auf die kommunalen Unternehmen. Innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre sei eine Steigerung dieses Anteils auf mehr als 25 Prozent geplant. Dies stelle mehr als eine Verdoppelung dar, so Reck. Unter anderem soll dieses Ziel mit Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe erreicht werden, welche die Stadtwerke in neue fossile Kraftwerke sowie in die erneuerbaren Energien stecken wollen.
Kommunale Stromanbieter auf dem Vormarsch
Mit dieser Offensive gegen die großen Stromanbieter wollen die kommunalen Unternehmen eine „Ära der Stadtwerke“ einläuten, wie Reck weiter ausführte. Noch vor zehn Jahren hatten im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes viele Städte und Kommunen ihre alten Stadtwerke teilweise oder sogar komplett an die Stromkonzerne verkauft. Mehr und mehr setzt sich aber ein Kurs zur Umkehr durch, denn nach dem Auslaufen vieler langfristiger Verträge haben sich zahlreiche Gemeinden und Städte dazu entschlossen, ihre Stadtwerke wieder als eigene kommunale Stromanbieter und Gasversorger zu etablieren, um das lukrative Geschäft nicht länger den Energieriesen zu überlassen. Dieses Konzept hat offenbar Erfolg, denn auf lokaler Ebene gehören Stadtwerke oft zu den günstigeren Versorgern, die längst nicht jede Erhöhung der Strompreise automatisch mitmachen.
Energiewende kommt nicht schnell genug voran
Nicht zufrieden ist Reck dem Zeitungsbericht zufolge mit der bisherigen Umsetzung der Energiewende in Deutschland. Die Bundesregierung bleibe bislang einen genauen Plan zur Umsetzung des Vorhabens schuldig, so Reck. Besonders die Streitigkeiten um Kompetenzen zwischen Bundeswirtschaftsministerium und Umweltministerium verzögerten viele Dinge im Detail. Um diesen Konflikt zu beenden, solle die Bundesregierung den Posten eines eigenen Energieministers schaffen, empfahl der Hauptgeschäftsführer des VKU der Politik. Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hatte die Bundesregierung eine Kehrtwende in der Energiepolitik hingelegt und die Abschaltung aller Atomkraftwerke bis 2021 beschlossen.