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Französische Atomkraftwerke haben zahlreiche Mängel04.01.2012, 14:12 Uhr
Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hatte die EU im vergangenen Jahr Stresstests für die europäischen Atomkraftwerke beschlossen. Dabei sollen die Sicherheitsstandards und Vorkehrungen für bestimmte Szenarien getestet werden. Frankreich gehört mit seinen insgesamt 59 Atomkraftwerken zu den weltweit größten Produzenten von Atomstrom und besitzt die meisten Reaktoren innerhalb der EU. Mit Spannung erwarteten daher alle Beteiligten die Ergebnisse der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN. Sie kommt in ihrem Bericht zu dem Ergebnis, dass die AKW teilweise schwere Mängel aufweisen, die nun rasch mit Milliardeninvestitionen behoben werden sollen. Dies sei notwendig, um die Reaktoren gegen extreme Ereignisse wie Erdbeben oder Überschwemmungen zu schützen, wie sie vergangenen März in Japan auftraten und in der Folge eine dreifache Kernschmelze ausgelöst hatten.
Kein Atomkraftwerk muss abgeschaltet werden
Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs ist zugleich das umstrittenste. Es liegt in Fessenheim nahe der deutsch-französischen Grenze und wird von Atomkraftgegnern schon lange als unsicher und veraltet bezeichnet. Vor allem die relativ dünne Bodenplatte aus Beton erscheint angesichts einer möglichen Kernschmelze wie in Japan als nicht ausreichend. Kritiker befürchten, dass in einem solchen Fall die Betonplatte einfach durchgefressen würde und daraufhin große Mengen Radioaktivität in den Rhein gelangen könnten. Trotz der von der Atomaufsichtsbehörde festgestellten Mängel muss keines der getesteten Atomkraftwerke vom Netz genommen werden, auch Fessenheim nicht. In Frankreich galt die Atomenergie bisher als relativ unumstritten. Eine Anti-Atomkraftbewegung wie etwa in Deutschland gab es in dieser Form nicht, und so betrachteten viele Franzosen den deutschen Atomausstieg im vergangenen Jahr auch als überstürzt.
Franzosen äußern inzwischen mehr Kritik an Atomkraft
Doch inzwischen haben sich auch viele Bürger in Frankreich Gedanken über die Zukunft der Atomkraftwerke gemacht, so dass dieses Thema auch in den Wahlkampf Eingang gefunden hat. Die Kritiker der EU-Stresstests bemängeln die relativ lockeren Kriterien, nach denen die Sicherheitsstandards geprüft wurden. So war vor allem auf Druck von Großbritannien und Frankreich auf die Prüfung von Vorkehrungen zum Schutz vor Terroranschlägen verzichtet worden. Bei den nationalen deutschen Stresstests waren die Kriterien diesbezüglich strenger gewesen, was sich auch im Ergebnis durch die sofortige Abschaltung mehrerer Atomkraftwerke zeigte. Der französischen Aufsichtsbehörde werfen die dortigen Atomkraftgegner darüber hinaus vor, dass die Betreiber der Anlagen selbst an der Prüfung beteiligt sind. Nach Ansicht der Gegner beeinträchtigt dies die Zuverlässigkeit der Ergebnisse, weswegen sie eine unabhängige Sicherheitsprüfung der AKW fordern.