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Deutsche Stromnetze nur noch dank Kaltreserve stabil?06.01.2012, 14:59 Uhr
Dass die Abschaltung von zahlreichen Atomkraftwerken zu Problemen bei der Stromversorgung führen könnte, davor warnen die großen Stromanbieter seit dem Beschluss zum Atomausstieg im vergangenen Jahr. Die Bundesnetzagentur hat als zuständige Behörde zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität eine sogenannte Kaltreserve beschlossen. Hierbei werden konventionelle Kraftwerke, die normalerweise nicht mehr am Netz sind, kurzfristig reaktiviert, um Schwankungen im Stromnetz zu bestimmten Zeiten rasch ausgleichen zu können. Offenbar ist es im Dezember erstmals dazu gekommen, dass diese Kaltreserve von den Netzbetreibern in Anspruch genommen werden musste, um die Stromversorgung aufrecht zu erhalten.
Situation im Stromnetz „angespannt“
Der Netzbetreiber Tennet, der für die Regionen Norddeutschland, Hessen und Bayern verantwortlich ist, musste Medienberichten zufolge am 8. und 9. Dezember 2011 eine Kaltreserve aktivieren. Konkret wurde dabei auf ein altes Ölkraftwerk bei Graz (Österreich) zurückgegriffen, wie die Zeitung „Die Welt“ berichtet. Der Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur bestätigten den Bericht unterdessen. Die Behörde wies in diesem Zusammenhang auf die angespannte Situation in den Stromnetzen hin, die nach der Abschaltung der Atomkraftwerke entstanden sei. Die Kaltreserve umfasst neben einer Kapazität von 1009 Megawatt aus deutschen Kraftwerken auch 1075 Megawatt in Österreich.
Kaltreserve funktioniert – aber wie lange?
Wie der Netzbetreiber betonte, hatte die Nothilfe aus dem Nachbarland weniger mit einem echten Engpass in der Stromversorgung zu tun, sondern mehr mit dem mangelnden Ausbau der Stromautobahnen, die durch Deutschland führen. Im fraglichen Zeitraum gab es aufgrund starken Windes eine große Menge von Strom aus Windkraftanlagen, der aber nicht in ausreichendem Maße über die Stromnetze in den Süden Deutschlands transportiert werden konnte. Dort aber war der Bedarf größer, weil das Atomkraftwerk Gundremmingen C wegen Wartungsarbeiten zusätzlich abgeschaltet war. Der Bundesnetzagentur zufolge war die Hilfe aus Österreich eine ganz normale Inanspruchnahme. Das Konzept der Kaltreserve scheint also vorerst zu funktionieren – allerdings war der Winter bisher auch sehr mild. Wie die Situation bei einer längeren Kälteperiode und dem damit höheren Stromverbrauch aussehen würde, bleibt abzuwarten.