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Oettinger: Stromanbieter E.ON und RWE sollten Fusion erwägen10.01.2012, 12:02 Uhr
Der Energiekommissar der Europäischen Union, Günther Oettinger (CDU), hat in einem Interview mit der Zeitung „Rheinische Post“ eine Fusion der beiden größten deutschen Stromanbieter E.ON und RWE angeregt. Gegenüber der Zeitung erklärte er, dass die beiden Energiekonzerne „bei allem Respekt“ im weltweiten Vergleich „beide nur Regionalliga“ seien. Wolle Deutschland in der Energiepolitik in der Weltliga mitspielen, brauche man einen nationalen Player von entsprechender Größe, so Oettinger. Er wies darauf hin, dass der Weltmarkt für Energie derzeit von Unternehmen wie Chevron, Exxon oder Gazprom dominiert werde. Eine Fusion der beiden Stromanbieter könne daher die deutsche Energiewirtschaft im weltweiten Wettbewerb stärken.
Große Stromanbieter beherrschen 80 Prozent des Strommarkts
Der Vorschlag von Energiekommissar Oettinger dürfte allerdings schon aus kartellrechtlicher Sicht schwer umzusetzen sein. In Deutschland halten die vier großen Stromanbieter E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW rund 80 Prozent der Marktanteile, was vom Bundeskartellamt schon des öfteren bemängelt wurde. Eine Fusion der zwei größten Energiekonzerne könnte daher als eine zu starke Konzentration der Marktmacht auf dem deutschen Strommarkt gesehen werden. Außerdem scheinen die beiden Konzerne bei ihren aktuellen Sparmaßnahmen nicht auf eine übermäßige Zusammenarbeit mit Konkurrenten zu setzen. Theoretisch würde eine derartige Fusion aber vermutlich weitere Arbeitsplätze kosten, denn viele Posten innerhalb eines solchen Riesenkonzerns wären dann doppelt besetzt.
Auch Stadtwerke könnten eine größere Rolle spielen
Oettinger ging in dem Interview aber auch auf eine andere Möglichkeit ein, mit welcher der deutsche Energiemarkt gestärkt werden könnte. So könne sich mehr Stärke und Wachstum auch aus einer stärkeren Kooperation von Stadtwerken und Kommunen ergeben, sagte der Kommissar. Die Stadtwerke haben erst kürzlich erklärt, die großen Stromanbieter in der Substanz angreifen zu wollen, indem sie ihre Kräfte bündeln und mit günstigeren Strompreisen um Kunden werben möchten. Durch ihre dezentrale Ausrichtung bei der Energieversorgung sind sie auch nicht zwangsläufig auf den schnellen Ausbau neuer überregionaler Netze angewiesen, wie es etwa die großen Energiekonzerne beim Bau großer Kraftwerke sind.