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Atommüll: Zwischenlager bekommen Schutzwall – Terrorgefahr gestiegen?11.01.2012, 11:59 Uhr
Für Verwirrung sorgt die Nachricht, dass das Bundesamt für Strahlenschutz die Errichtung von Schutzmauern rund um die atomaren Zwischenlager auf den Geländen der verschiedenen deutschen Atomkraftwerke angeordnet hat. Zur Begründung war zunächst nicht viel zu erfahren. Von „neuen Erkenntnissen“ über Tatmittel und Täterverhalten sowie dem Schutz vor Anschlägen war die Rede. Ob dies aber bedeutet, dass es eine neue Gefahrenlage gibt, die den Bau solcher Schutzwälle erforderlich macht, bleibt dahingestellt. Das Bundesumweltministerium, das für die Atomkraftwerke zuständig ist, hat hierzu jedenfalls bisher keine Stellungnahme abgegeben. Es wurde lediglich bekannt, dass die Vorkehrungen gegen Terroranschläge insgesamt verbessert werden sollen. Anwohner und Atomkraftgegner fragen sich allerdings, ob das bereits die ganze Wahrheit ist.
Alle Atomkraftwerke bekommen Schutzmauer für Zwischenlager
Konkret geht es beispielsweise um das Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern. Hier befindet sich das derzeit größte Zwischenlager für Atommüll. Alle Atomkraftwerke müssen über Lagerkapazitäten für ihre abgebrannten Brennstäbe verfügen, um sie bis zum Weitertransport in Wiederaufbereitungsanlagen oder zur Einlagerung in anderen Zwischenlagern sicher aufzubewahren. Bislang waren diese Einrichtungen lediglich von Zäunen geschützt. Künftig soll eine bis zu zehn Meter hohe und 85 Zentimeter dicke Stahlbetonmauer für einen besseren Schutz der radioaktiven Abfälle sorgen. Die Planungen dafür wurden am Dienstag vom Gemeinderat Gundremmingen bewilligt. Einzelheiten erfuhr der Rat über die Gründe für die Maßnahme aber offenbar nicht. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk erklärte der Bürgermeister Wolfgang Mayer, dass er keine Kenntnis über das „Wieso, weshalb, warum“ habe.
Stromanbieter müssen Nachrüstung bezahlen
Offenbar scheint es sich bei dem Mauerbau aber um eine generelle Maßnahme zu handeln, da alle Standorte von Atomkraftwerken einen solchen Schutzwall erhalten sollen. Eine konkrete Gefahrenlage für das AKW Gundremmingen scheint daher zunächst unwahrscheinlich. Bezahlen müssen die Nachrüstungen die Betreiber der Anlagen, also die großen Stromanbieter. Schon beim Stresstest der Atomkraftwerke im vergangenen Jahr war der Schutz vor Terroranschlägen ein wichtiger Punkt gewesen. Nach Ansicht von Experten sind viele Atomanlagen in Deutschland nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze gesichert. Ähnliches dürfte auch für die Zwischenlager gelten, wenngleich die neuen Mauern daran nicht viel ändern. Schutz bieten sie allenfalls gegen direkte Angriffe mit schweren Waffen, wie etwa dem Einsatz einer Panzerfaust. Auch erschweren sie am Boden die Zielerkennung. Lediglich bei einem tiefen Anflug eines kleineren Flugzeugs könnten sich die Betonwälle auch als wirksam gegen Angriffe aus der Luft erweisen, weil sie einen Täter zu einem anderen Anflugwinkel zwingen würden.