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Stromanbieter Thüga möchte Partnerschaft mit Gazprom17.01.2012, 12:47 Uhr
Dass die deutschen Stadtwerke die Energiewende dazu nutzen möchten, den vier großen Energiekonzernen RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW Paroli zu bieten, haben sie bereits angekündigt. Dazu passen die Pläne, welche die Stadtwerkeholding Thüga gegenüber der Süddeutschen Zeitung dargelegt hat. Der Aufsichtsratschef des Unternehmens, der Wiesbadener Oberbürgermeister Müller, spricht in einem Interview mit dem Blatt von einer „Ära der Stadtwerke“, die begonnen habe. Der Stromanbieter Thüga wolle die Stromriesen künftig auch gemeinsam mit neuen Partnern attackieren. Hierfür wolle die Stadtwerkeholding über einen Zeitraum der nächsten Jahre eine Summe von rund einer Milliarde Euro investieren, die in erster Linie in Windparks und andere Ökostrom-Projekte gesteckt werden soll.
Gazprom will als Stromanbieter in Deutschland auftreten
Als Partner für eine Kooperation kommt den Worten von Thüga-Chef Woste zufolge durchaus auch der russische Gasversorger Gazprom in Frage. Mit diesem Unternehmen könne man gemeinsam den Bau neuer Kraftwerke in Angriff nehmen, so Woste. Gazprom sei finanziell stark genug und habe das Potenzial für entsprechende Projekte. Der russische Konzern hat im vergangenen halben Jahr öfter die Absicht erklärt, sich aktiv in den deutschen Strommarkt einzubringen. Nach dem Beschluss zur Energiewende sieht man dort offenbar auch die Möglichkeit, als Stromanbieter in Deutschland aufzutreten. Den ersten Schritt dazu hat Gazprom im November mit dem Einstieg seiner Londoner Tochterfirma GM&T beim hessischen Energieversorger Envacom getan.
50 Stadtwerke stehen hinter dem Stromanbieter Thüga
Thüga wäre für Gazprom allerdings ein Partner ganz anderer Klasse, denn der Stromanbieter, an dem rund 50 deutsche Stadtwerke beteiligt sind, beliefert derzeit etwa 3,5 Millionen Stromkunden mit Energie. Weitere 2,2 Millionen Kunden beziehen Erdgas von Thüga. Erst vor etwa drei Jahren hatten die Stadtwerke den Versorger vom Energiekonzern E.ON für einen Preis von 2,9 Milliarden Euro übernommen. Obwohl Gazprom als Partner für bestimmte Projekte willkommen ist, möchte Thüga allerdings keine Beteiligung der Russen am eigenen Unternehmen sehen. Energieexperten erwarten, dass in den kommenden Jahren vor allem zusätzliche Gaskraftwerke gebaut werden müssen, um die Stabilität der Stromversorgung in Deutschland zu sichern. Je mehr Atomkraftwerke abgeschaltet werden, desto wichtiger werden solche Kraftwerke, die besonders schnell auf Stromschwankungen reagieren können, die durch die unregelmäßige Erzeugung von Ökostrom entstehen.