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Atomkraftwerk Biblis: Stromanbieter RWE streicht 165 Jobs26.01.2012, 13:36 Uhr
Lange blieben die Angestellten des im Rahmen des Atomausstiegs stillgelegten Atomkraftwerks in Biblis (Südhessen) im Unklaren über die Frage, wie viele Arbeitsplätze am Ende wegfallen würden. Am Mittwoch teilte der Stromanbieter RWE schließlich mit, dass von den insgesamt 630 Stellen im Kraftwerk 165 gestrichen werden. Der Betreiber des AKW kündigte auf einer Versammlung an, dass der Stellenabbau möglichst sozialverträglich gestaltet werden solle. Demnach wird rund ein Drittel der Betroffenen in den Ruhestand geschickt, wenn es nach den Plänen von RWE geht. Andere Mitarbeiter sollen an anderen Stellen im Energiekonzern eine neue Arbeit finden. Ausdrücklich nicht vorgesehen sind betriebsbedingte Kündigungen.
Stromanbieter hat noch nicht über Rückbau entschieden
Hauptsächlich betroffen von dem Stellenabbau sind Techniker, Handwerker und Ingenieure, die durch die Einstellung des Betriebs in den Atomreaktoren nicht mehr benötigt werden. Die restlichen 470 Mitarbeiter sollen zunächst am Standort Biblis verbleiben, so der Stromanbieter weiter. Keine Kürzungen gibt es offenbar im Bereich des Sicherheitspersonals und derjenigen Mitarbeiter, die sich um die Brennelemente im Kraftwerk und im angegliederten Zwischenlager kümmern. Noch nicht entschieden ist außerdem, wie RWE mit dem abgeschalteten Kernkraftwerk langfristig verfahren wird. Möglich wäre einerseits eine Versiegelung der Reaktoren oder ein kompletter Rückbau der gesamten Anlage. Von der Vorgehensweise wird maßgeblich abhängen, wie viele Mitarbeiter zukünftig noch benötigt werden. Allerdings eilt diese Entscheidung zunächst nicht, weil die Brennelemente im Kraftwerk noch über mehrere Jahre hinweg abkühlen müssen.
Stadt Biblis erwartet weniger Steuereinnahmen durch Stromanbieter
Das Atomkraftwerk in Biblis besteht aus zwei Reaktoren, die 1974 und 1976 ans Netz gingen. Zur Zeit der Planung galt das Kraftwerk als das weltweit größte seiner Art. Nach der Entscheidung zum Atomausstieg im vergangenen Jahr wurden die Atommeiler schließlich stillgelegt. Für die Stadt Biblis bedeutet dies auch erhebliche wirtschaftliche Einbußen. Bislang war der Stromanbieter RWE durch den Betrieb des AKW der weitaus größte Zahler an Gewerbesteuern. Diese werden künftig deutlich geringer ausfallen. Außerdem befürchtet man in der Stadt durch die Reduzierung der Arbeitsplätze auch direkte Auswirkungen auf den Häuser- und Wohnungsmarkt sowie den lokalen Wirtschaftskreislauf.